Eindrücke von der Ethical Fashion Show in Berlin

Vergangene Woche stand Berlin ganz im Zeichen der Mode: Die Fashion Week Berlin lässt die Stadt zum Mittelpunkt der Modebranche werden und A- bis Z-Prominente reihen sich am roten Teppich ein. Nachhaltiger Mode oder auch Fair Fashion genannt, findet sich auf der Ethical Fashion Show wieder. Hier tümmeln sich Anbieter bunter und vielfältiger Mode, die sozialverträglich und unter umweltschonenden Bedingungen hergestellt wurde. Doch was kann die Ethical Fashion Show? Lohnt es sich dort vorbeizuschauen? Und was sind die neuesten Trends ins Sachen Fair Fashion? Ich habe mir die Ethical Fashion Show 2017 einmal angesehen.

Der Weg zur Ethical Fashion Show 2017 war nicht ganz so einfach, wie er auf der Internetseite beschrieben wurde: Ein Shuttlebus sollte uns unter anderem vom Ostkreuz zur neuen Location, dem Funkhaus Berlin im weniger zentral gelegenen Stadtteil Treptow-Köpenick bringen. Am Ostkreuz angekommen waren weder Schilder zu finden, noch ein Shuttlebus. Letztlich sind wir also mit einem Taxi zum Funkhaus gefahren und es wurde uns wieder bewusst: Nachhaltigkeit ist gar nicht so einfach (zu erreichen).

Am Funkhaus angekommen wurde deutlich, wieso diese Location gewählt wurde. Umgeben von viel Grün und direkt an der Spree gelegen macht der denkmalgeschützte Gebäudekomplex und ehemaliger Sitz des Rundfunk der DDR echt was her. Die stilvollen Innenräume passen sehr gut zum Angebot der nachhaltigen Modeschöpfer. Auch auf Fotos wirkt das Innenleben des Funkhauses modern und edgy. Ob die perfekte Atmosphäre jedoch die weite Anreise und die Abgrenzung des übrigen Fashion Week-Geschehen der Fair Fashion-Szene gut tun, wage ich zu bezweifeln.

In den Räumlichkeiten ließ ich zuerst meinen Blick umherschweifen und absolvierte einen ersten Rundgang, um mir meinen Überblick zu verschaffen. Von bunt und schrill bis „typisch öko“, von Mode für Babys und Kleinkinder über junge Leute bis hin zur älteren Generation war alles dabei. Zu entdecken gab es Kleidung aus Seide, aus Biobaumwolle, aus recycelten Fabrikresten oder PET-Flaschen, aus alten Fischernetzen oder aus Hanf. Auf diese Vielfalt gönnte ich mir erstmal einen Kaffee. Natürlich aus einem Recup-Becher, ein Mehrwegpfandbecher, der für 1 EUR erworben wurde.

Am Donnerstagvormittag stand ein Programmpunkt auf dem Zettel, der mich besonders interessierte: „Kann man mit nachhaltiger Mode überhaupt Geld verdienen“ war die Frage, die die Textilwirtschaft beim Fair Fashion Summit in die Runde warf. Die „Runde“ bestand in diesem Fall aus Vertretern der nachhaltigen Modebranche: Georg Dieners von OEKO-TEX und Glore-Gründer Bernd Hausmann sowie Annette Hempel vom Modehaus Hempel in Wolfsburg, Claudia Lanius vom Fashion-Label Lanius und Heiko Wunder, Gründer von Wunderwerk diskutierten darüber, wie nachhaltig Mode auch im betriebswirtschaftlichen nachhaltig betrieben werden kann.

Im Gespräch wurde deutlich, dass nachhaltige Mode nur dann bestehen kann, wenn diese auf der Stange mit herkömmlicher Mode mithalten kann. Die Optik muss stimmen, ist sich Annette Hempel sicher, ebenso wie der Preis. Nur dann kauft der Verbraucher die grüne Ware. Und auch Heiko Wunder gibt zu bedenken: „Viele finde die [nachhaltiger Labels] toll, haben aber einfach nicht das Geld.“ Es wird deutlich, dass der Preis bei Verbraucher wie auch bei Herstellern ein sensitiver Punkt ist. Claudia Lanius bestätigt, dass nachhaltige Mode durchaus zu einem Preisniveau herkömmlicher Hersteller möglich sein kann, jedoch nicht, wenn man eine ganze Kollektion anbietet.

OEKO-TEX-Generalsekretär Georg Dieners sprach einen Punkt an, der auch mich beschäftigt: Was ist eigentlich Nachhaltigkeit? Im Grunde hat jeder seine ganz eigene Definition von Nachhaltigkeit. Für Georg Dieners, der im technischen Bereich gelernt hat, bedeutet Nachhaltigkeit ein sparsamer Umgang mit Ressourcen. Der Schweizer betont: „Wir müssen lernen mit den Ressourcen, die diese Welt hat, richtig umzugehen.“ – Dem kann ich nur zustimmen. Doch woher weiß ich als Verbraucher, dass der Hersteller Ressourcen verantwortungsvoll eingesetzt hat? Für mehr Transparenz über die Herstellung und die gesamte Lieferkette sorgen Siegel wie GOTS oder das neue Transparenzschild für nachhaltige Mode von OEKO-TEX: Made in Green. Laut einer Umfrage der Textilwirtschaft sind 40% der Händler davon überzeugt mit einem solchen Siegel einen Wettbewerbsvorteil zu haben. Mir als Kunde würde ein solches Siegel auf jeden Fall ein Gefühl der Sicherheit geben.

Ebenfalls zur Sprache kam das Thema Nachhaltigkeit versus Konsum. Denn wenn ich als Kunde ständig neue Kleidung kaufe, entspricht dies eigentlich nicht dem Gedanken der Nachhaltigkeit. Müssen grüne Modelabels also zwingend neue Kollektionen anbieten? Glore-Gründer Bernd Hausmann beantwortete die Frage selbstbewusst mit einem Ja. Er kennt dieses Dilemma und hat sich die Frage schon häufig selbst gestellt. Natürlich stünden diese zwei Komponenten nicht unbedingt im Einklang. Doch was würde passieren, wenn nachhaltige Labels weniger oder keine neue Kleidung mehr herstellen würden, schließlich habe man doch genug Kleidung im Schrank, um nicht nackt durch die Straßen zu laufen? Die Folge wäre, dass nachhaltige Labels den Markt den herkömmlichen Herstellern ohne Sinn für Nachhaltigkeit überlassen würden und sich nichts verändere. Auch als Fair Fashion-Anbieter will und muss man Geld verdienen und das geht nur, wenn man selbst als Hersteller wächst. Und nur, wenn man größer wird, hat man die Chance Einfluss auf den Markt zu nehmen und Druck auf große Unternehmen oder die Politik auszuüben. Bernd Hausmann appelliert abschließend zu mehr Selbstbewusstsein in der Fair Fashion-Szene. Und auch ich stimme dem zu, denn: Nachhaltigkeit muss Spaß machen.

Nach dem inspirierenden Talk ließ ich mich durch die Halle treiben und suchte das Gespräch mit dem ein oder anderen Label. Ich freute mich sehr über den Anblick Stands von Dedicated, denn die Teile sind bunt, laut und machen definitiv Spaß. Auch ein finnisches Unternehmen ist mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben: Globe Hope stellt Jacken aus alten Werbebannern her. Für mich als Marketingfuzzi und PR-Tante natürlich ein Riesen-Hit! Bei Lanius ist mir ein Set aus Hose und Top ins Auge gestochen, das sommerlich und luftig daher kommt – und direkt auf meine Wunschliste gehüpft ist. Lustig fand ich auch die Entdeckung der Marke Elisa F. – das ist doch mein Name. Ich fragt mich kurz, ob mich jemand veräppeln will – was nicht der Fall war, aber ein bisschen witzig fand ich es dennoch. Die junge Modemarke Raven’s View by Elisa F. jedenfalls trifft meinen Geschmack und ich werde mir den Online-Shop mal näher ansehen.

Zum Abschluss des Tages hatten wir im Shuttlebus zurück zum Ostkreuz (ja, es fuhren tatsächlich Shuttlebusse) ein sehr nettes Gespräch mit Philipp und Viola vom Kölner Modegeschäft Fairfitters. Dem Laden im Belgischen Viertel werde ich bei meinem nächsten Köln-Aufenthalt definitiv einen Besuch abstatten, denn auch die beiden sind überzeugt: Nachhaltige Mode kann hip und cool sein!

Mein Fazit vom Besuch der Ethical Fashion Show Berlin: Ich hatte sehr viel Spaß, konnte viele nette Gespräche führen und habe tolle Menschen kennengelernt. Die Labels müssen natürlich nachhaltig agieren, dabei dürfen sie aber die Faktoren Style und Preis nicht vernachlässigen. Hier und da braucht die nachhaltige Szene noch einen Tritt in den Hintern, um Anschluss an die Trends der schnelllebigen Modewelt zu finden, aber im Großen und Ganzen bin ich mir sicher, ist Fair Fashion auf dem richtigen Weg zum neuen Standard zu werden. Ethical Fashion Show 2018 – ich bin dabei! Hoffentlich funktioniert der Shuttleservice dann aber besser als in diesem Jahr!

 

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