Wie ich versuchte, mein Zelt zu reparieren – ein Livebericht

2004 haben meine Mama und ich ein 4-Personen-Zelt für die Familie gekauft. Es hat mich viel Überredungskunst gekostet, meine Eltern von der Campingidee zu überzeugen. Ich wollte es unbedingt, Urlaub auf dem Zeltplatz. Mit Schlafsack, Isomatte und Campingkocher, mit Duschkabinen, Hitzestau und Mückenstichen. Eben mit allem, was dazu gehört. Und für einen Zelturlaub braucht es nun mal zuallererst ein Zelt.

Wir sind also losgestiefelt, haben uns von einem netten Herrn beraten lassen und wussten: Das ist es, unser zusammenfaltbares Zuhause. Einige hunderte Euros leichter ging es dann los und da die Investition sich lohnen sollte, folgten in den nächsten Jahren noch weitere unvergessliche Campingabenteuer.

Das Zelt im Dornröschenschlaf

Vor 7 Jahren schlug mein Vater zuletzt das Zelt auf, im Allgäu. Es hatte mehrere Tage am Stück geregnet. Es sollte sein letzter Urlaub unter freiem Himmel sein. Er bevorzugt jetzt ein festes Dach. Das Zelt schlief also die letzten Jahre einen Dornröschenschlaf, denn zu allem Übel war auch noch eine Stange kaputt gegangen und keiner hatte Lust, diese auszutauschen oder zu reparieren – bis vor einigen Wochen. Mich ließ es nicht los. Ich wollte dieses Zelt haben, ich wollte es reparieren und benutzen. Also schleppte ich das Zelt im Zug von meinen Eltern in Karlsruhe bis nach Berlin und baute es bei strahlendem Sonnenschein im Hinterhof auf. Unsere Nachbarn mussten denken, mein Mann hat mich rausgeschmissen.

Zeltrückseite mit defekten Fenstern
Finde den Fehler.

Herr Doktor, mein Zelt ist krank!

Hochmotiviert begannen wir mit der Prüfung des Zeltes. Doch schon beim ersten Auseinanderfalten war uns klar: Hier stimmt etwas nicht. Uns rieselten versteifte, gelblich verfärbte Stückchen entgegen. Was ist das? Das ist nicht normal. Es waren zwei Fenster, wie sich beim weiteren Ausbreiten herausstellte. Am Hinterausgang des Zeltes waren zwei durchsichtige Fenster eingelassen, die die Lagerung ganz offensichtlich nicht überlebt hatte. Nun hatte das Zelt also zwei fette Löcher.

Die Fenster sind kaputt.
So zerbröselt das Zelt nunmal.

Die Schock saß tief. Wie zur Hölle sollen wir das reparieren? Mit Panzertape? Hat noch immer geholfen, oder? Aber das sollte nur der Anfang der Mängelliste sein. Darüber hinaus waren die Gestänge alle bis zum get no ausgeleiert und ließen sich nur mit viel Geduld und Feingefühl durch die dafür vorgesehenen Ösen schieben.

Zeltstange fehlt
Gelb, blau, schwarz – Welche Stange fehlt?

Dass eine Stange fehlt, wussten wir, doch das die Nähte im Innenraum des Zeltes große Löcher aufwiesen, das war uns neu. Und so fassen wir zusammen:

  • zwei Fenster fehlen
  • ein Gestänge fehlt
  • alle vorhandenen Gestänge sind ausgeleiert
  • die Nähte gehen auseinander

Wasserdicht war das Zelt definitiv nicht mehr. Aber das Zelt aufgeben, wollte ich nicht. Anders als 75 % meiner Instagram Follower, die sich in meiner Story dafür aussprachen, mir doch ein neues zu kaufen.

Aufgeben ist keine Option

Doch ich wollte das Zelt reparieren. Ich will es reparieren. Das muss doch möglich sein, immerhin preist der Hersteller auf seiner Website an, wie langlebig seine Produkte sind und schnell finde ich Anleitungen zur Reparatur von Gestänge und Zeltnähten. Doch zu den zwei klaffenden Löchern in der Hintertür fand ich keine Lösung. Also schrieb ich dem Kundenservice und fragte, wie ich nun vorgehen solle und ob es eine Möglichkeit gebe, das Zelt reparieren zu lassen. Die Antwort folgte prompt – drei Tage später. Über einen Händler in meiner Nähe kann ich das Zelt zur Prüfung einschicken lassen.

Der nächstgelegene Händler war ein Bikeshop. Ob dieser auch Zelte im Sortiment hat? Die Mitarbeiterin des Kundenservices sagte mir, ich solle es einfach probieren. Doch bevor ich das Zelt mit dem Gewicht eines dreijährigen zwei Kilometer durch die Stadt schleppe, dachte ich mir: Fragste besser vorher nach. Gesagt, getan. Mit großen Augen wurde ich im Bikeshop angeschaut, doch man vergewissere sich gerne beim Hersteller, ob es möglich sei und meldet sich am Dienstag telefonisch bei mir.

Zeltnähte müssen neu verdichtet werden.
Die Nähte schreien nach einer neuen Versiegelung.

Nun warte ich also auf die Antwort des Moabiter Bikeshops, der auf die Antwort des Herstellers wartet, ob ich mein Familienzelt über sie zur Prüfung einschicken kann. Ob ich mein kleines Eigenheim jemals repariert bekomme? Es bleibt spannend.

to be continued…

Wie ich versuchte, mein Zelt zu reparieren – ein Livebericht
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Ein Gedanke zu „Wie ich versuchte, mein Zelt zu reparieren – ein Livebericht

  • 4. August 2018 um 22:10
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    Mein liebes Kind, es tut mir im Herzen weh, dass der Traum vom Zelt z.Zt. ein Alptraum ist. Schön, wie du um unsere schönen Erlebnisse, die wir mit dem Zelt im Urlaub hatten, kämpfst. Ich wünsche mir für Euch einen positiven Ausgang der Geschichte. Aber eins ist doch bemerkenswert. Wenn man die Methode nutzbar machen könnte, um die Weltmeere zu retten, wenn sich aller Plastikmüll so schnell auflösen würde wie die Fenster vom Zelt. Ich hab dich lieb. Deine Mama

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