Wie nachhaltig ist H&M wirklich?

In regelmäßigen Abständen greifen Medien H&M in Verbindung mit Nachhaltigkeit auf. Nur selten ist diese Berichterstattung positiv, auch wenn sich die schwedische Modemarke offensichtlich um positive Schlagzeilen bemüht ist. Bevor ich meinen Konsum bewusst hinterfragt habe, war der Fashionstore mit dem verlockenden roten Schriftzug mein Mekka für Shoppingtouren. Und auch wenn der Shop in Las Vegas doch fast das gleiche Angebot pflegte wie im heimischen Berlin, so wurde die Anziehungskraft auch über die Jahre nicht geringer. Nun allerdings winkt mit jeder Kaufentscheidung ein kleines, imaginäres Männchen mit seinem Zeigefinger und scheint zu sagen: „Willst du dieses Teil wirklich?“ – und nein, in den seltensten Fällen brauche ich das neue T-Shirt, die pastellfarbenen Socken oder den neuen Schlafanzug mit neckische Spitze am Saum. Aber muss ich deswegen bei jedem Kleidungsstück ein schlechtes Gewissen haben? Bis wohin kann ich meine Wahl für mich vertreten und wie nachhaltig ist H&M heute wirklich? Ich habe mir die Aktivitäten des Modekonzerns einmal näher angesehen.

Rücknahme von aussortierten Kleidungsstücken

Seit einiger Zeit bietet H&M in seinen Stores Incentives für die Rückgabe von alten Kleidungsstücken. Nach Aussagen des Konzerns wird gut erhaltene Kleidung als Second-Hand-Ware weiterverkauft. Kritiker sehen einen ethischen Verstoß darin, dass H&M mit dem Weiterverkauf Geld verdient. Ich sehe in diesem Angebot dennoch einen entscheidenden Mehrwert, denn der Lebenszyklus des Stoffes wird verlängert. Kleidung in weniger gutem Zustand wird zu anderen Zwecken weiterverarbeitet und dient anschließend z. B. als Putzlappen – so wie es meine Oma schon mit ausgeleierten Socken früher gemacht hat. Die wurden zum Schuheputzen verwendet. Sollte auch das nicht mehr möglich sein, ist als dritte Option die Recyclingvariante verfügbar, bei der die Stoffe zur Herstellung von Produkten für die Autoindustrie eingesetzt werden.

Transparenz

Seit Frühjahr 2019 stellt H&M seinen Kunden auf der Website weitere Informationen zum verwendeten Material und zum Herstellungsort eines Kleidungsstückes bereit. Unter jedem Produkt ist unter dem Punkt „Produktnachhaltigkeit“ darum nicht nur die Zusammensetzung sowie weitere Erklärungen zu den jeweiligen Stoffen zu finden, sondern auch den genauen Produktionsstandort unter Angabe der Mitarbeiterzahl.

Materialien

Die Auswahl umweltfreundlicher Materialen wie recyceltes Polyester oder der kompostierbare Stoff Lyocell, hat einen großen Effekt auf den Nachhaltigkeitsfaktor eines Kleidungsstückes. H&M hat sich zum Ziel gesetzt. bis spätestens 2030 zu 100% recycelte oder andere nachhaltig hergestellte Materialien zu verwenden. Schon heute sind über die Hälfte (57%) aller Kleidungsstücke auf diese Weise hergestellt worden, wie im Nachhaltigkeitsbericht 2018 nachzulesen ist.

CO2-freundliche Transportwege

Länge und Art des Transports eines Kleidungsstückes verändern den ökologischen Fußabdrucks des Käufers. H&M entscheidet sich darum in 90% der Fälle für den Transport per Schiff und Zug und damit gegen den hinsichtlich Zeit effizienteren Luftweg. Umweltbewusster hingegen wäre die Verlagerung die Produktionsstandort in der Region des Verkaufs. Doch dies wiederum bleibt nicht ohne Auswirkungen auf das Preisniveau des Sortiments, das bei H&M im niedrigen Bereich angesiedelt ist.

Soziale Faktoren

Nicht selten sind in Verbindung mit nachhaltiger Mode auch faire Arbeitsbedingungen genannt. Seit 2014 arbeitet H&M an einer nachhaltigen Strategie zu Verbesserung der Konditionen für die Arbeiter in den Fabriken und hat dafür klare Ziele kommuniziert. Über alle Produktionsstandorten hinweg ist sind laut Aussage des Konzern die Gehälter höher als der in dem Land gültige Mindestlohn. 2018 bedeutete dies in Kambodscha im Schnitt 24% und in China 93% über der gesetzlichen Anforderung. Ein weitere Teil der H&M „Fair Living Wage Strategy“ bezieht sich auf den Dialog und einen demokratisch gewählten Betriebsrat in den Fabriken. 2018 konnten 73% aller Produktionsstandorte Letzteres vorweisen.

Energieversorgung

Wo möglich, setzt das internationale Modehaus in seinen fast 5.000 Läden weltweit sowie in Büros und Lagerhäusern auf erneuerbare Energie.

Partner

Für einen nachhaltige Erfolg ihrer Strategie hat sich die Modekette namhafte Partner an Bord geholt und arbeitet u. a. mit WWF zusammen.

Mein Fazit

Mit seiner globalen Markenbekanntheit und einem internationalen Netzwerk spielt der Modegigant eine wesentliche Rolle im Verständnis für Nachhaltigkeit in der Fashionindustrie. Nur wenn Weltkonzerne wie H&M sich konsequent an der Neuausrichtung der Branche beteiligen und damit die breite Masse erreichen, wird sich der Markt langfristig und nachhaltig ändern. H&M scheint erste große Schritte auf diesem Weg zu gehen und ich bin gespannt zu sehen, wohin dieser die Modekette hinführt.

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